Ein Buch diktieren, statt es eigenhändig zu schreiben oder zu tippen. Lange Zeit war das nur den Autor:innen vorbehalten, die sich eine Schreibkraft oder teure Software leisten konnten. Doch mittlerweile gibt es auch viele kostenlose Apps, die du zum Diktieren nutzen kannst.
Das Diktieren bringt viele Vorteile für Autor:innen. Auch, wenn nicht alle damit zurechtkommen, lohnt es sich doch, es einmal auszuprobieren. Ich habe mittlerweile sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Programme getestet.
Was ich dabei gelernt habe und wie das Diktieren auch bei dir klappen kann, erfährst du in diesem Blogartikel.
Inhaltsverzeichnis
Wieso überhaupt ein Buch diktieren?
Als ich mich das erste Mal mit dem Diktieren beschäftigt habe, hatte ich eine Sehnenscheidenentzündung vom Schreiben. Meine Handgelenke schmerzten bei jeder noch so kleinen Bewegung meiner Finger. Aber ich musste weiterschreiben. Ich hatte schließlich eine Deadline einzuhalten.
Ich hatte damals schon ein paar mal von teuren Diktier-Programmen gehört, aber so viel Geld wollte ich nicht direkt dafür investieren. Denn vielleicht würde diese Art des Schreibens für mich ja überhaupt nicht funktionieren?
Also habe ich mit einer kostenlosen Variante begonnen und mich mit der Zeit durch viele weitere Apps durchprobiert. Mit den einen kam ich gut zurecht, mit anderen eher weniger. Bei manchen Programmen wurde meine Stimme nicht richtig erkannt und ich musste ständig korrigieren, was ich eingesprochen hatte. Total nervig.
Aber mit dem richtigen Programm und etwas Übung hatte ich das Problem nicht mehr. Es lohnt sich also, ein wenig herumzuprobieren und das richtige Programm für dich zu suchen.
Vorteile vom Diktieren
Das Diktieren hat einige Vorteile. Einige davon klingen für dich vielleicht erstmal etwas seltsam oder unnötig (mir ging es anfangs genauso), aber mittlerweile will ich sie nicht mehr missen. Und obwohl ich nicht ausschließlich diktiere, sondern es abhängig von der Situation ist, genieße ich die Vorteile des Diktierens immer wieder gerne.
Diktieren schont die Handgelenke
Der größte Vorteil und der Grund für mich, überhaupt erst mit dem Diktieren anzufangen, war es, meine Hände und vor allem meine Handgelenke schonen zu können. Gerade wenn du viel schreibst, zum Beispiel während des NaNoWriMos, kannst du so einer Sehnenscheidenentzündung vorbeugen. Oder du machst es wie ich und fängst immer erst dann mit dem Diktieren an, wenn deine Ärztin deinen Händen eine Pause verordnet.
Bewegung für Autor:innen
Je nachdem, welche Technik du zum Diktieren nutzt, kannst du dich dabei frei bewegen. Und damit tust du genau das, was uns Autor:innen immer empfohlen wird: Du stehst vom Schreibtisch auf und bewegst dich.
Zwar bin ich stolze Besitzerin eines höhenverstellbaren Tisches, aber um ehrlich zu sein, nutze ich diese Funktion viel zu selten. Aber nicht nur, weil ich oft nicht daran denke, sondern auch wegen meines chaotischen Schreibtisches. Nicht, dass noch etwas herunterfällt. Aber wenn ich diktiere und dabei herumlaufe (Headset sei Dank), fahre ich den Tisch tatsächlich oft hoch. Sonst müsste ich mich schließlich jedes Mal zu den Monitoren runterbeugen, wenn ich kurz etwas nachsehen möchte.
Gerade wenn mein Kopf bei einer Szene blockiert, hilft es mir oft, einfach aufzustehen und in der Wohnung herumzulaufen. Dadurch kommt meine Kreativität wieder in Schwung und ich kann noch beim Gehen die Szene diktieren.
Multitasking beim Schreiben
Ich gehöre zu den Menschen, die am liebsten immer mehrere Dinge auf einmal machen. ADHS lässt grüßen. Aber bei manchen Tätigkeiten ist das gar nicht so einfach. Dazu gehört auch das Schreiben. Denn dafür benötige ich sowohl meinen Kopf als auch meine Hände. Und das auch noch gleichzeitig.
Das Einzige, was sich damit kombinieren lässt, ist Musik hören. Aber das klappt bei mir nicht immer und schon gar nicht mit jedem Lied. Die Musik muss zur Szene und Stimmung passen. Und es darf keines dieser Lieder sein, die ich dann plötzlich mitsinge. Sonst vergesse ich dabei ganz, dass ich eigentlich doch schreiben wollte.
Beim Diktieren kann ich aber tatsächlich mehrere Dinge gleichzeitig machen. Häkeln zum Beispiel. Oder auch mal die Spülmaschine ausräumen oder eine meiner Katzen kraulen. Ich muss lediglich aufpassen, dass ich nichts sage, was nicht auch im Manuskript stehen soll. Eine Katze zu kraulen, ist somit okay. Mit einer Katze zu sprechen, führt zu Mehraufwand bei der Überarbeitung.
Diktieren kommt also nicht nur dir und deiner Gesundheit zugute, sondern auch deinen Haustieren. Soll ich auf der anderen Seite auch noch kraulen? Ja? So eine Süße bist du, Luna. Ja.
Beim Spaziergang dein Buch diktieren
Welchen Tipp bekommen Autor:innen immer, wenn sie an einer Schreibblockade leiden? Genau: Geh doch mal eine Runde spazieren. Ich habe den Tipp schon immer gehasst. Bis ich ihn ausprobiert habe und feststellen musste, dass ein Spaziergang tatsächlich bei kreativen Blockaden helfen kann.
Bewegung an frischer Luft kurbelt deine Kreativität an. Und mir kommen dabei häufig richtig gute Ideen. Anfangs war ich davon überzeugt, sie mir merken zu können. Aber da ich mich auf mein Gedächtnis nun mal nicht verlassen kann (ADHS und so) und ich das mittlerweile auch einsehe, schreibe ich mir alles auf.
Während eines Spaziergangs sieht das dann so aus, dass ich stehenbleibe, mein Smartphone zücke und etwas eintippe. Zumindest sah das früher so aus, denn mittlerweile spreche ich alles ein. Das hat den Vorteil, dass ich nicht dafür stehen bleiben muss. Allerdings mache ich das nur, wenn ich allein unterwegs bin und auch niemandem sonst begegne. Nicht, dass ich noch als Verrückte abgestempelt werde, die Selbstgespräche führt.
Manchmal spreche ich dann auch ganze Szenen oder Dialoge auf, die mir gerade in den Sinn kommen. Und wenn ich aufgrund der schlechten Netzabdeckung nicht direkt diktieren kann (dafür braucht mein Smartphone Internet), nehme ich meine Stimme auf und lasse die Aufzeichnung später am PC transkribieren.
Dein Buch diktieren: Das musst du beachten
Wenn du dein Buch diktieren statt schreiben willst, gibt es einiges zu beachten. Da wäre einmal die Wahl der richtigen Software, aber du benötigst auch ein (möglichst gutes) Mikrofon und musst lernen, so zu sprechen, dass dich die Software auch gut verstehen kann.
Mikrofon zum Diktieren
Fangen wir mit dem Mikrofon an. Du brauchst kein Hightech-Mikrofon für mehrere hundert Euro. Wichtig ist, dass die Soundqualität stimmt und deine Stimme gut verständlich und möglichst ohne Störgeräusche übertragen wird. Die meisten Mikrofone, die es heute zu kaufen gibt, sollten diese Anforderungen erfüllen. Ich benutze das HyperX QuadCast S.* Das habe ich mir allerdings nicht nur zum Diktieren, sondern auch für Video- und Podcast-Aufnahmen gekauft.
Wenn ich in der Wohnung herumlaufen möchte, nutze ich meine Sony WH-XB900N Bluetooth Kopfhörer*. Die haben nicht nur Noise Cancelling, sondern auch ein eingebautes Mikrofon.
Bin ich draußen unterwegs, spreche ich entweder direkt in das Mikro meines Smartphones oder nutze meine Bluetooth-Kopfhörer. Du hast also viele Möglichkeiten, um dein Buch zu diktieren.
Satzzeichen diktieren
Wenn du dein Manuskript diktierst, musst du sämtliche Satzzeichen und Formatierungen mitsprechen. Obwohl das irgendwie logisch ist, fühlt es sich gerade zu Beginn trotzdem seltsam an. Gerade Dialoge können dich dabei schnell vor eine Herausforderung stellen. Das kann dann zum Beispiel so aussehen:
Ergebnis: „Dieser Baum hier“, sie streichelte über den Stamm der Esche, „ist bereits über 200 Jahre alt.“
Diktat: Anführungszeichen Dieser Baum hier Anführungszeichen zu Komma sie streichelte über den Stamm der Esche Komma Anführungszeichen ist bereits über 200 Jahre alt Punkt Anführungszeichen zu.
Leider sind die Befehle für Satzzeichen und Formatierung nicht einheitlich. Das bedeutet, dass du, je nach verwendeter Software, andere Befehle geben musst. Manchmal ist es zum Beispiel zwingend notwendig, „Anführungszeichen auf“ zu sagen, damit das Anführungszeichen auch wirklich unten erscheint.
Auch um einen Absatz zu diktieren, reicht es nicht bei jedem Programm, einfach „Absatz“ zu sagen. Manchmal ist es auch „Neuer Absatz“. Und sicherlicher gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, je nach App.
Apps zum Buch diktieren
Mittlerweile gibt es viele verschiedene Apps, mit denen du deinen Roman diktieren kannst. Da du im Google Play Store eine große Auswahl für dein Android-Smartphone finden kannst, werde ich darauf nicht weiter eingehen und mich auf die Möglichkeiten am PC beschränken. Und da ich keine Apple Produkte nutze, werde ich auch diese hier außen vor lassen.
Diktieren mit Google Docs
Google Docs ist ein kostenloses Online-Textverarbeitungsprogramm von Google. Alles, was du benötigst, um es zu verwenden, ist ein Google-Konto. Wenn du ein Android-Smartphone nutzt, solltest du so eines bereits besitzen. (E-Mail-Adresse, die auf @googlemail.com oder @gmail.com endet.)
Google Docs enthält eine kostenlose Diktierfunktion, die ziemlich gut ist. Von allen kostenlosen Varianten hat Google Docs mich bisher am besten verstanden, und es war auch die erste Software, die ich damals ausprobiert hatte.
Öffne das Google-Dokument, in dem du deinen Text diktieren möchtest. Du findest die Diktierfunktion unter Tools – Spracheingabe oder über die Tastenkombination Strg+Umschalt+S.
Integrierte Diktierfunktion in Windows
Mittlerweile bringt auch Microsoft Windows eine Diktierfunktion mit. Die sogenannte Spracherkennung kann nicht nur Befehle ausführen, sondern auch Text eingeben. Ich wollte sie gerne zum Diktieren in Papyrus Autor, meinem bevorzugten Schreibprogramm, nutzen. Aber leider versteht sich Papyrus mit der Windows-Spracherkennung nicht so richtig bzw. es verweigert die Zusammenarbeit.
Falls du aber ein anderes Schreibprogramm nutzt, kannst du der Diktierfunktion von Windows ja mal eine Chance geben und ausprobieren, wie gut du mit ihr zurechtkommst.
Integrierte Diktierfunktion in Microsoft Word
Genauso wie Windows kommt auch MS Word mittlerweile mit einer Diktierfunktion. Die gibt es sogar in der kostenlosen Web-Variante von Word. Wenn auch mit beschränkten Funktionen. Denn in Word kannst du nicht nur direkt diktieren, sondern auch eine Aufnahme deiner Stimme transkribieren. Das geht allerdings nur in der kostenpflichtigen Premium-Version und auch nur für bis zu 300 Minuten pro Monat (Stand Oktober 2024).
Buch diktieren mit Dragon NaturallySpeaking
Die beste und zugleich deutlich teuerste Möglichkeit, dein Buch zu diktieren, ist die Software von Dragon. Von ihr hast du sicherlich schon gehört. Hier kannst du auch neue Wörter hinzufügen, was gerade für Fantasy-Autor:innen echt praktisch ist. Außerdem gewöhnt sich Dragon nach und nach an deine Aussprache.
Die aktuellste Version kostet mittlerweile fast 1.000 €. Aber auf Amazon findet sich tatsächlich noch eine frühere Version der Software, die deutlich günstiger ist. Hier kannst du dir Nuance Dragon Home 15 holen.*
Im Gegensatz zu der Windows-Spracherkennung kannst du mit Dragon auch in Papyrus Autor schreiben. Das und die Möglichkeit, der Software Wörter beibringen zu können, machen sie zu meinem klaren (wenn auch teuren) Favoriten.
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