Die Tür stieß gegen etwas und im nächsten Moment ertönte ein lauter Schmerzensschrei, der mir die Nackenhaare aufstellte. Ich stürmte in die Küche und hielt erstaunt inne. Rechts von mir und somit hinter der Tür fluchte jemand laut. Zwei weitere nächtliche Besucher starrten mich an. Die eine erschrocken und panisch, der andere verwirrt und enttäuscht.
„Jetzt hast du uns die Überraschung verdorben!“, schimpfte der hinter der Tür. Ich drehte mich zu ihm um.
„Überraschung? Was zum Dämon tut ihr hier?“ Ich hob eine Braue.
Ich sah, wie die Unterlippe der Blondine zu zucken begann. Ich kannte dieses Goldlöckchen lang genug, um zu wissen, dass sie gleich wieder sinnlos in Tränen ausbrechen würde. Ich verdrehte die Augen. Dabei streifte mein Blick die Wanduhr. Es war kurz vor 5 Uhr morgens.
„Bitte sei nicht böse!“, schluchzte besagtes Goldlöckchen und ich seufzte.
„Ich bin nicht böse, Andvina“, versicherte ich ihr und versuchte, dabei weniger genervt zu klingen, als ich war. Damit sie sich zumindest nicht mehr bedroht fühlen musste, senkte ich meine Hände und legte die beiden Dolche auf den Küchentisch.
„Wo du schon mal passend zur Wintersonnenwende hier bist, wollten wir dich mit einer Feier überraschen. So wie früher“, erklärte Laserian. „Es war Roxurius‘ Idee“, fügte er hinzu, als mein Blick ihn streifte. Ich atmete einmal tief ein und wieder aus, um meine angespannten Gesichtszüge zu lockern. Dann lächelte ich. Die Idee der Dreien war nett. Eine alte Tradition wieder aufleben zu lassen.
„Na dann danke, Roxurius, für die Idee.“ Ich konnte Laserian ansehen, dass er mit dieser Reaktion nicht gerechnet hatte. Auch Andvinas Schluchzen verebbte. Was für eine Wohltat.
„Dekoriert ist ja bereits alles. Was gibt es sonst noch zu tun? Wie viele haben zugesagt?“, fragte ich wie selbstverständlich. Ich labte mich ein wenig an ihren unsicheren und verwirrten Blicken. Letztes Jahr hätte ich sie für eine solche Aktion vermutlich lebendig gegrillt. Doch mein Leben hatte sich drastisch geändert. Und ich mich zumindest ein wenig.
Roxurius fasste sich als Erster wieder. Er grinste. „Alle haben zugesagt. Und wir sind schon mal hier, weil wir mit den Essensvorbereitungen anfangen wollten. Aber da wir unser Essen gerne weder angebrannt noch versalzen genießen wollen, wirst du uns keine große Hilfe sein.“ Er stupste mich mit dem Zeigefinger auf die Nase und ich streckte ihm die Zunge raus. Im Augenwinkel sah ich, wie Laserian aufgrund unserer Albernheit den Kopf schüttelte. Es wunderte mich, dass die beiden es hinbekommen hatten, zusammenzuarbeiten.
„Du bist also nicht sauer?“, fragte Andvina noch immer unsicher. Wäre Goldlöckchen nicht so nervig, wäre sie vielleicht sogar süß.
„Bin ich nicht, wirklich. Und jetzt lasst euch erstmal ordentlich begrüßen!“ Damit fiel ich ausnahmsweise zuerst Andvina um den Hals. Sie reagierte erst überrascht, bevor sie die Umarmung dann doch erwiderte.
„Frohe Weihnachten“, sagte sie leise und ich beschloss, mich darüber nicht aufzuregen. Was kümmerte mich schon dieser Weihnachtswahnsinn, wenn ich dafür endlich mal wieder alle meine Freunde um mich haben würde?