Ich sprang erschrocken, aber so gut wie lautlos, aus dem Bett. Ich hatte mir das Geräusch nicht eingebildet. Jemand war in meinem Haus!
Für einen absurden Moment kam mir der Gedanke, Henry wäre hier gewesen, um mir vielleicht etwas unter den Baum zu legen. Um mich ihrem nichtexistenten Gott näherzubringen. Doch wäre sie dermaßen verrückt, mitten in der Nacht hier aufzutauchen? Wohl kaum.
Ich spielte mit dem Gedanken, meine Rüstung anzuziehen. Andererseits bildeten meine Flügel eine natürliche Rüstung. Lediglich gegen Dämonen waren sie ziemlich nutzlos. Ich konnte aber weder die Aura eines Dämons fühlen, noch kitzelte mich ihr Geruch in der Nase. Es würde sich also vermutlich einfach nur um einen gewöhnlichen Dieb handeln. Trotzdem nahm ich beide Dolche aus den Schubladen. Ein Glück, dass ich meine Klingen im Schlafzimmer deponiert hatte. Trotzdem ließ ich die Schwerter hier. Das wäre übertrieben.
Ich machte kein Licht an und schlüpfte im Nachthemd durch die offene Tür. Ich hatte mich bereits so weit an die Dunkelheit gewöhnt, dass sie für mich kein Hindernis mehr darstellte. Langsam schlich ich die Treppe hinunter. Wer auch immer hier war, war nicht mehr in der Eingangshalle. Hatte ich ihn vielleicht erst gehört, als er bereits wieder auf dem Weg nach draußen gewesen war? Mein Gehör war gut, aber vielleicht hatte ich heute besonders tief geschlafen? Ich näherte mich der Haustüre. Im Schnee würde eine Verfolgung der Spuren nicht schwer sein.
Da vernahm ich ein Geräusch aus der Küche. Also änderte ich meinen Plan und huschte leise zur Küchentür. Licht drang durch den Türschlitz. Langsam drückte ich die Türklinke hinunter. Dann stieß ich sie mit dem Fuß ruckartig auf, die Dolche in der Hand.