Mein heilig Abend bestand daraus, eine Gemüsepfanne aus dem Tiefkühlfach zuzubereiten und anschließend wieder vor der Konsole im Wohnzimmer zu landen. Ich hörte das Läuten der Glocke aus dem Nachbarort bis zu mir. Ich sah sie direkt vor mir, die Menschlein, die dicht an dicht in der Kirche saßen und zu einem Gott beteten, den es in Wahrheit gar nicht gab. Es wäre beinahe amüsant gewesen, wenn es nicht so traurig gewesen wäre.
Ich kämpfte mich durch einen virtuellen Dungeon nach dem nächsten. Ich sagte mir zwar immer wieder, dass der Aktuelle nun der Letzte sein würde, hielt mich aber nicht daran. Erst, als ich einmal eingenickt war und dabei beinahe den Spielcharakter in den Tod gestürzt hätte, speicherte ich und schaltete das Gerät ab.
Ich trottete in den zweiten Stock. Lucifer und Lilith folgten mir. Es kam selten vor, dass die beiden bei mir im Bett schliefen. Nicht, dass ich etwas dagegen gehabt hätte. Vorsichtshalber ließ ich die Schlafzimmertür offen. Dann konnten sie raus, ohne Lärm zu machen oder mich gar aufwecken zu müssen.
Trotzdem wurde ich mitten in der Nacht von einem Geräusch geweckt. Etwas verwirrt blinzelte ich in die Dunkelheit. Eine der Katzen lag zu meinen Füßen, die andere neben mir auf dem Kopfkissen. Woher war dann das Geräusch gekommen?
Ich zuckte mit den Achseln. Vermutlich hatte ich es mir eingebildet. Ich ließ mich zurück auf mein Kissen sinken und schloss die Augen. Dann hörte ich die Haustüre ins Schloss fallen.