Tagelang hatte es geschneit. Entsprechend hatte ich das Haus nicht verlassen können. Stattdessen hatte ich mich an die Weihnachtslieder gewöhnt, die im Radio liefen. Ich hatte mich sogar dabei erwischt, wie ich ab und an mitgesungen hatte. Den Großteil meiner Zeit hatte ich auf der Couch verbracht. Den Controller meiner Konsole in der Hand. Henry hatte sich ebenfalls Urlaub genommen. Auch wenn das bedeutete, dass ich seit ein paar Tagen mehr oder weniger für mich selbst kochte, kam wenigstens keine Deko mehr dazu. Dafür musste ich jetzt von Fertiggerichten leben. Denn kochen hatte ich noch immer nicht gelernt. Zweimal hatte ich es versucht, seit Henry mich allein gelassen hatte. Zweimal war es ungenießbar gewesen.
Aber wenigstens war heute endlich der 24. Dezember. Weihnachten war damit so gut wie vorbei. Und in ein paar Tagen würde ich auch bereits wieder ins Götterreich zurückkehren. Nachdem Wahnsinn hier freute ich mich bereits darauf. Außerdem zog es meine Seele heimwärts.
Ich zwang mich dazu, das Haus zu verlassen. Zumindest einmal. Und zwar jetzt, wo das Schneegestöber ein Ende gefunden hatte. Ich sank bei jedem Schritt einige Zentimeter ein. Doch das störte mich nur wenig. Den letzten Winter hatte ich schließlich in Asgard verbracht. Das hier war nichts dagegen!
Ich stapfte durch den Schnee und ignorierte die Kugeln und Lichter, die an den Bäumen und Sträuchern rund um meine deutsche Residenz angebracht worden waren. Ich verlor mich lieber in dem Anblick von mit Frost bedeckten Hagebutten, von den Spuren von Tieren im Schnee und einer kleinen Kohlmeise, die Körner vom Boden aufpickte. Sie beäugte mich immer wieder misstrauisch. Um sie beim Auffüllen des Futterhäuschens nicht aufzuschrecken, sang ich leise für sie. Und die kleine Meise blieb derart ruhig, dass ich sie hochheben und in das Häuschen setzen konnte. Darin war sie vor den Katzen sicher.