„Guten Morgen, Cora!“, flötete Henry gut gelaunt. Sie lächelte mich an. Dann änderte sich ihre Mimik zu Staunen und Unglaube. „Wie haben Sie das geschafft?“
„Was geschafft?“, fragte ich unschuldig, um Zeit zu schinden. Wieso konnte ich nicht einfach mal Glück haben? Wieso war der verdammte Zufall immer gegen mich? Ich wusste genau, dass es sowas wie Zufall nicht gab. Es war Schicksal gewesen, dass alles so ablief. Schade, dass ich nicht wusste, bei welchem der Schicksalsgötter ich mich dafür bedanken konnte. Oder vielleicht auch besser so. Mein Dank würde sicherlich nur Ärger mit sich bringen.
„Na den Baum fertig geschmückt!“ Henry deutete auf obere Hälfte der Tanne.
„Ich habe meine Flügel ausgebreitet und bin hochgeflogen“, sagte ich todernst. Dann grinste ich. „Betrachte es einfach als Wunder.“ Ich konnte nur hoffen, dass Henry ihrem Enkel wirklich keinen Glauben schenkte.
Sie sah mich einen Moment verwirrt an, dann lachte sie. „Ein Weihnachtswunder!“, rief sie. „Und Sie sind der Weihnachtsengel!“
Es kostete mich verdammt viel Anstrengung, jetzt ruhig zu bleiben. Weihnachtsengel. Es gab nur einen einzigen da draußen, der mich als Engel bezeichnete. Oder besser gesagt, als Engelchen. Und dem konnte ich es schlecht verbieten. Ich konnte nur hoffen, dass er das Wort Weihnachtsengel nie hören würde. Ansonsten konnte ich mich auf einen neuen Spitznamen einstellen, der mir absolut nicht gefallen würde.
„Die restliche Deko schaffe ich allein. Sie dürfen aber natürlich trotzdem helfen, wenn sie wollen“, erklärte Henry und öffnete die nächste Dekokiste. Ich starrte sie an. Noch mehr Deko?!