Obwohl ich überlegte, mich einfach in mein Schlafzimmer zurückzuziehen, ging ich zurück in die Küche. Mir war es lieber, ich würde mitbekommen, was Henry und ihre Enkel in meinem Haus veranstalteten.
„Wollen Sie eines probieren, Frau Raabe?“, fragte das Mädchen, Elisa, freundlich und hielt mir eine Metalldose hin, in der die duftenden Kekse lagen.
„Gerne.“ Ich verzog das Gesicht ein wenig, als ich erkannte, dass sie Engel in verschiedenen Größen ausgestochen hatten. Trotzdem nahm ich mir einen und probierte. „Sehr gut“, versicherte ich ihr, als ich ihren abwartenden Blick bemerkte.
„Wir haben Engel ausgestochen, wie der auf dem Bild im Flur“, erklärte sie mir. Ich lächelte angestrengt. Ich hatte mir fest vorgenommen gehabt, es abzuhängen.
„Schön“, antwortete ich dem Mädchen und versuchte, nicht so gequält zu klingen, wie ich mich gerade fühlte. Wer hatte dieses Gemälde von mir nach dem Umbau überhaupt hier runtergehängt?!
„Sie sehen aus wie der Engel auf dem Bild“, stellte jetzt der Junge, Emil, fest. „Haben Sie auch Flügel?“
„Das auf dem Gemälde ist künstlerische Freiheit. Es zeigt auch gar nicht Frau Raabe, sondern ihre Ur-ur-ur-ur-ur-Großmutter“, erklärte Henry und ich atmete erleichtert auf. Es wunderte mich zwar, dass sie sich das so genau hatte merken können, aber ich war froh darüber. Denn ich hätte beim besten Willen nicht mehr sagen können, welche Geschichte ich ihr zu dem Porträt von mir damals aufgetischt hatte.